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Cloudflare App 1.1.1.1: So umgehen Russen die Internetsperren der Regierung

Der Anbieter Cloudflare hat ein weltumspannendes Cloudnetzwerk aufgebaut. Er gehört zu den wenigen US-Tech-Firmen, die sich nicht aus Russland zurückziehen.
23.04.2022 - 14:00 Uhr Kommentieren
Cloudflare Quelle: Moment/Getty Images
Cloudflare

Über das Netzwerk der Firma läuft mehr als zehn Prozent des globalen Internetverkehrs.

(Foto: Moment/Getty Images)

San Francisco Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine rangiert eine App aus den USA auf den Spitzenplätzen der Downloadcharts in Russland. Die Anwendung mit dem Namen 1.1.1.1 von der Firma Cloudflare aus San Francisco hilft dabei, Internetkontrollen zu umgehen. „Wir wollen, dass Informationen weiter frei zugänglich sind“, sagte Cloudflare-Finanzchef Thomas Seifert dem Handelsblatt. Die Firma halte an ihrem Geschäft in Russland fest.

Die Ukraine hält das für falsch. Vizepremier Mykhailo Fedorov kritisierte die Geschäftsführung des mit rund 35 Milliarden Dollar bewerteten Start-ups als eigensüchtig. „In einer Zeit, in der Russland die Ukraine angreift und seine Raketen und Panzer wehrlose Kinder töten, müssen auch Russlands Webressourcen wehrlos bleiben“, forderte Fedorov.

Der Grund für die besondere Aufmerksamkeit für Cloudflare ist das Geschäftsmodell des Unternehmens. Die App 1.1.1.1 ist nur ein Nebenprodukt, das sich in Russland nun als besonders nützlich erweist. Cloudflares Hauptgeschäft ist ein Netz von Servern in mehr als 270 Städten der Welt. Dadurch bietet die Firma ihren Kunden an, dass deren Websites sich schneller aufrufen lassen.

Gleichzeitig verspricht die Firma auch, die Seiten ihrer Kunden vor Hackerangriffen zu schützen. Cloudflare ist gleichzeitig Beschleuniger und Schutzschild, das ungewollte Anfragen und Attacken abwehrt, bevor sie die Kunden erreichen.

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    „Wir wehren am Tag 82 Millionen bis 85 Millionen Angriffe ab. Das ist eine unwahrscheinlich große Zahl“, sagte Seifert. Bereits vor Beginn des russischen Angriffs in der Ukraine habe Cloudflare viele Organisationen in der Ukraine mit seinem Dienst geschützt. „Wir hatten vor der Invasion einen Großteil der kritischen Infrastruktur in der Ukraine hinter unser Netzwerk gebracht. Mit Regierungswebseiten, kritischer Infrastruktur, Medien sind noch eine Reihe dazugekommen“, sagte Seifert.

    Cloudflare: App soll Russen Zugang zum Internet ermöglichen

    In Russland sehe die Strategie des Unternehmens anders aus, sagte Seifert. „Wir schützen keine große kritische Infrastruktur in Russland. Unser Umsatz im Land ist minimal. Es geht wirklich darum, der Bevölkerung den Zugang zum Internet zu ermöglichen.“ Dafür bietet Cloudflare die App 1.1.1.1 weiterhin in dem Land an.

    Grafik

    Cloudflare wickelt nach eigenen Angaben mehr als zehn Prozent des globalen Internetverkehrs ab. Das Konzept von Cloudflare nennt sich Content Delivery Network, kurz CDN.

    Cloudflare ist nicht der einzige Anbieter. Zu wichtigen Wettbewerbern zählen Akamai oder Fastly. Und auch die größten Cloudanbieter der Welt – Amazon, Microsoft und Google – beitreiben CDNs.

    Aber Cloudflare gilt als besonders guter Anbieter. „Cloudflare ist zweifelsohne ein großartiges Unternehmen, mit einem hervorragenden Managementteam, das die Entwicklung neuer Produkte in hohem Tempo vorantreibt“, resümierte Analyst Keith Weiss von der US-Großbank Morgan Stanley.

    Cloudflare wächst in rasantem Tempo

    Analyst Axel Herlinghaus von der DZ Bank geht in seiner Analyse der im Februar vorgestellten Jahreszahlen sogar noch einen Schritt weiter: „Cloudflare hat ein Spitzenjahr mit Top-Zahlen, beschleunigtem Wachstum und starkem Ausblick beendet, wobei letzterer für uns – ob des auf allen Ebenen brummenden Geschäfts – noch ‚ausbaufähig‘ erscheint.“

    Dabei hat Cloudflare bereits eine Prognose von einem Umsatzwachstum um 41 Prozent bis 42 Prozent auf 927 Millionen Dollar bis 931 Millionen Dollar vorgelegt.

    Im vergangenen Jahr erlöste die Firma 656 Millionen Dollar. Gleichzeitig wies sie jedoch einen Nettoverlust von 260 Millionen Dollar aus. Cloudflare hatte angekündigt, sich auf schnelles Wachstum zu konzentrieren und nicht Profitabilität an erste Stelle zu rücken. Im dritten und vierten Quartal meldete das Unternehmen dann aber früher als zunächst angekündigt ein positives operatives Betriebsergebnis (Ebit).

    Seifert sagte: „Uns ist wichtig, dass wir kein Geld verbrennen.“ Für die weitere Strategie sei Amazon ein Vorbild. Die Firma habe es nach einigen Jahren geschafft, profitabel zu werden und habe bei einem minimalen Gewinn alles in Wachstum investiert, statt es auszuschütten. Seifert: „Solange wir die Chance sehen, gigantisch schnell zu wachsen, werden wir jeden zusätzlichen Dollar Gewinn, den wir erzielen, in unsere Produkte investieren.“

    Cloudflare-CFO Thomas Seifert
    Thomas Seifert

    Der Manager ist seit 2017 CFO bei Cloudflare.

    Mit Amazon liefert sich Cloudflare seit Jahren einen öffentlichen Schlagabtausch. Amazon ist der mit Abstand größte Cloudkonzern der Welt. Cloudflare hatte der Firma vorgeworfen, seine dominante Stellung zu missbrauchen.

    Die Firma mache es zwar ihren Kunden leicht, Daten in deren Cloud zu verlagern. Amazon verlange aber überzogene Gebühren, die Daten bei einem Wechsel wieder aus der Cloud zu exportieren, kritisierte Cloudflare. „Es gibt eine große Tür rein, aber keine Tür raus“, kritisierte Seifert das Vorgehen von Amazon. Der Konzern weist die Darstellung zurück und verteidigt sein Finanzierungsmodell.

    Cloudflare-Aktie hat Potenzial, dürfte aber volatil bleiben

    Zuletzt hatte Cloudflare an der Börse aber stark an Wert eingebüßt. Mitte November stand die Firma noch bei einer Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Dollar. Seitdem fiel die Bewertung um rund 50 Prozent. Seifert gibt sich dennoch gelassen. Die Daten seines Unternehmens seien solide. Der Einbruch an der Börse habe nichts mit einer Schwäche von Cloudflare zu tun, zeigte er sich überzeugt.

    Diese Einschätzung teilte auch Analyst Herlinghaus: „Dies hatte nichts mit dem erstklassig laufenden Cloud-Kerngeschäft zu tun, sondern ist dem veränderten Bewertungsumfeld geschuldet.“ Er wertete den Einbruch als Einstiegsgelegenheit, warnte jedoch vor kurzfristig hoher Volatilität.

    >> Hören Sie auch: Cloudflare-Finanzchef Thomas Seifert im Podcast Handelsblatt Disrupt

    Insgesamt gehen die meisten Analysten davon aus, dass die Bewertung von Cloudflare deutlich steigen dürfte. Durchschnittlich liegt das von Analysten ausgewiesene Kursziel bei 154 Dollar, wie aus Daten des Dienstes S&P Global Market Intelligence hervorgeht. Derzeit steht die Aktie von Cloudflare bei rund 114 Dollar.

    Cloudflare arbeitet bereits am nächsten Schritt, das Geschäftsmodell zu erweitern. Derzeit konzentriert sich das Unternehmen darauf, mit seinen Serverstandorten Städte zu erschließen. „Wir haben gerade das Programm Cloud Office gestartet, mit dem wir unsere Infrastruktur in Gebäude bringen“, sagte Seifert. Damit können Firmenkunden noch höhere Geschwindigkeiten erwarten.

    Die Zukunftsszenarien gingen noch weiter. „Es gibt eigentlich keinen Grund, warum es nicht auch eine SIM-Karte von uns geben könnte, die in einem Gerät sitzt.“ Cloudflare habe noch einige neue Ideen für künftige Geschäftsmodelle, kündigte Seifert an.

    Mehr: Vier Gründe, warum Unternehmen russische Hacker fürchten sollten

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